Wie hoch ist die HIV-Ansteckungsgefahr beim Geschlechtsverkehr in Deutschland?

Deine Frage

Man hat ja nicht automatisch auch gleich HIV, wenn man Sex mit einer positiven Person hat. Aber wie hoch ist das Risiko denn prozentual so in etwa? Es soll ja sehr sehr hoch sein, aber ein Teil davon kann ja auch eine "gutgemeinte Übertreibung" der Wissenschaflter/Medien sein…

Und: In wievielen Fällen bekommen HIV-Positive in Deutschland auch AIDS?

Antworten

  1. So eine Frage sollte man gar nicht stellen,sondern sich jedesmal schützen!!!!!!!!
  2. Hey, egal wie hoch! 0,01 % wäre zuviel!!!!
  3. AIDS heute, das bedeutet weltweit 38,6 Mio. Menschen, die den Virus in sich tragen. Innerhalb von 25 Jahren hat das Virus 65 Mio. Menschen infiziert, 25 Mio. sind daran gestorben. Trotz des vielfältigen Engagements lässt eine wirkungsvolle Antwort auf diese Krise im Gesundheitswesen auf sich warten.
    In Ländern mit geringem Einkommen ist zwischen 2001 und 2005 die Zahl der Menschen, die in retroviraler Behandlung sind, von 240 000 auf 1,3 Mio. gestiegen. Trotz dieses Anstiegs haben 2006 weniger als 24% der Betroffenen Zugang zu einer solchen Behandlung.

    Aus Deutschland ist bekannt, daß das Durchschnittsalter aller Aids-Kranken zum Zeitpunkt der Diagnose bei 38,9 Jahren lag. Unter den 13-24 Jährigen gab es in den letzten 15 Jahren 506 Aids-Kranke (bei einer Bevölkerung von 81 Millionen). Diese Altersgruppe stellt damit 3,6 Prozent aller bisher an Aids Erkrankten. Aus diesen Daten lassen sich allenfalls Vermutungen ableiten. Genaue Aussagen sind jedoch nicht möglich.

    Bei HIV-AIDS gibt es für mich keine "gutgemeinte Übertreibung"
    Mindestens einmal in der Woche lese ich HIV-positive Ergebnisse!!!!

  4. Was willst du wissen?

    Wie hoch das Risiko ist wenn du mit einer Person nach Hause gehst (Discoaufriss)?
    – das Risiko dürfte bei null sein wenn du dich nicht im Schwulen oder Fixermileu bewegst.

    Willst du wissen wie hoch das Risiko ist wenn man mit einer HIV-Positiven Person Geschlechtsverkehr hat?
    – Kommt drauf an ob du man oder Frau bist. Frauen haben ein wesentlich höheres Ansteckungsrisiko. Analverkehr erhöht das Risiko auch drastisch (deswegen ist HIV bis heute zu einem hohen Prozentsatz ein Schwulenproblem).
    Bei Männer (Geschlechtsverkehr mit einer HIV-Positiven Frau) habe ich mal von einer Ansteckungswahrscheinlichkeit von 1:100 gelesen.

    Ergänzung: Warum schreibst dann von "in Deutschland"? Das Ansteckungsrisiko ist in jedem Land wohl gleich, nur an eine/einen infizierten zu geraten ist z.B. in Afrika viel höher.

  5. Mit Kondom praktisch NULL
    Ohne Kondom sehr hoch und nicht zu empfehlen!
  6. Gesundheitsforschung: Forschung für den Menschen
    Newsletter
    Thema H I V / A I D S
    B M B F P R E S S E
    HIV und AIDS:
    Die aktuelle Entwicklung ist gefährlich 2
    Mutter werden – trotzdem! 4
    Wenn ich verbrenne, verbrennt das Virus auch 6
    Patienteninterview
    AIDS-Hilfe als Mittler zwischen Patienten
    und Forschern 8
    Die HIV-Infektion konsequent behandeln 9
    Eines der erfolgreichsten Kapitel der Medizin 12
    Experteninterview
    Inhalt
    Gesundheitsforschung: H I V u n d A I D S

    HIV und AIDS: Die aktuelle
    Entwicklung ist gefährlich
    In den Industrienationen hat AIDS offensichtlich
    für viele seinen Schrecken verloren – eine gefährliche
    Entwicklung. Sie führt dazu, dass sich in
    bestimmten Bevölkerungskreisen wieder mehr
    Personen mit dem tödlichen Erreger anstecken.
    Dabei sind nicht nur die klassischen Risikogruppen
    betroffen. Zum Beispiel infizieren sich immer
    mehr Frauen durch heterosexuellen Geschlechtsverkehr.
    Auch bei Drogenabhängigen und jungen
    homosexuellen Männern steigen die Infektionszahlen
    an. Zuvor waren sie dank intensiver Aufklärungsarbeit
    jahrelang konstant geblieben.
    Paradoxerweise scheinen die bisherigen Erfolge
    der HIV-Therapie für den beunruhigenden Trend
    eine Rolle zu spielen: Die Menschen unterschätzen
    die Gefahren einer HIV-Infektion, denken sie
    sei heilbar und werden unvorsichtig.
    AIDS ist eine unheilbare Krankheit, bei der das Immunsystem zusammenbricht. Der Name AIDS
    steht für „acquired immunodeficiency syndrom“ (erworbenes Immundefekt-Syndrom). HIV (human
    immunodeficiency virus = menschliches Immundefekt-Virus) ist die Bezeichnung für den Erreger,
    der AIDS auslöst. Er wurde 1983 zum ersten Mal nachgewiesen. Die HI-Viren befallen Zellen des
    Immunsystems und zerstören sie. Dadurch kann das Immunsystem andere Erreger nicht mehr
    abwehren. Harmlose Infektionen werden zu einer lebensbedrohlichen Gefahr. Auch manche Krebserkrankungen
    treten bei AIDS-Kranken gehäuft auf. Ohne Therapie entwickeln innerhalb von zehn
    Jahren etwa 50 Prozent der Infizierten schwere Immundefekte, die letztlich tödlich enden.
    R I S I K E N W E R D E N Z U N E H M E N D U N T E R S C H Ä T Z T
    Was sind eigentlich HIV und AIDS?
    Hierzulande stecken sich jährlich etwa 2.000 Menschen
    neu mit dem HI-Virus an. Wirklich dramatisch
    ist die Situation in anderen Weltregionen.
    Über 70 Prozent aller HIV-Infizierten leben in
    Afrika – das sind fast 30 Millionen Menschen.
    Gleichzeitig breitet sich in Osteuropa eine neue
    AIDS-Epidemie aus. Allein im Jahr 2000 verdoppelte
    sich in Russland die Zahl der Infizierten. Auch
    in diesem Jahr geht die Weltgesundheitsorganisation
    dort wieder von 250.000 Neuinfektionen
    AIDS ist kein Problem von gestern.
    Eine Heilung ist nach wie vor nicht
    möglich, und auch in den westlichen
    Staaten steigen die HIV-Infektionszahlen
    in einzelnen Bevölkerungsgruppen
    wieder an.
    Gesundheitsforschung: H I V u n d A I D S
    3
    aus. Zwar ist die Medizin heute in der Lage, den
    Betroffenen zu helfen: Neue Arzneimittel verringern
    die Anzahl der Viren im Blut wesentlich.
    Dadurch kann sich das Immunsystem erholen, und
    die Lebenserwartung der Patienten steigt. Doch
    für eine Entwarnung ist es zu früh: Auch die
    neuen Medikamente eliminieren die Viren nicht
    vollständig, sondern halten die Krankheit nur
    mehr oder weniger lange auf. AIDS ist also nach
    wie vor unheilbar. Oft sind die Viren darüber hinaus
    gegen eines oder mehrere Medikamente
    unempfindlich. Außerdem müssen die Arzneien
    lebenslang eingenommen werden, können Nebenwirkungen
    haben und sind sehr teuer.
    HIV und AIDS bleiben also eine große Herausforderung.
    Dieser Newsletter gibt einen aktuellen
    Überblick über die Krankheit, ihre möglichen
    Folgen und spezielle Krankheitsaspekte. Einen
    Schwerpunkt bildet dabei die Arbeit des Kompetenznetzes
    HIV/AIDS. Das Netzwerk koordiniert
    und bündelt seit Mitte 2002 in Deutschland Forschungsaktivitäten
    und wird vom Bundesministerium
    für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.
    Bisher sind weltweit etwa 22 Millionen
    Menschen an AIDS gestorben.
    Über 42 Millionen Menschen sind HIV-positiv.
    Die höchste Infektionsrate hat Botswana:
    Etwa 30 Prozent der Erwachsenen tragen
    dort das Virus in sich.
    Jede Minute infizieren sich etwa zehn
    Menschen mit HIV.
    70 Prozent aller AIDS-Kranken und
    95 Prozent aller Kinder, deren Eltern an AIDS
    gestorben sind, leben in Afrika.
    Daten und Fakten
    Die Gefahr richtig einschätzen
    HIV kann nicht übertragen werden
    im „normalen“ täglichen Leben, zum Beispiel beim Händeschütteln, bei der gemeinsamen Benutzung
    eines Glases, wenn man angehustet wird, in Schwimmbad und Sauna oder auf öffentlichen Toiletten.
    durch Küssen; allerdings scheint es wenige Einzelfälle zu geben, bei denen es durch Blut im Speichel
    und andere Faktoren doch zu einer Ansteckung gekommen ist.
    HIV kann übertragen werden
    beim Sex ohne Kondom. Besonders gefährlich ist analer Geschlechtsverkehr; aber auch bei ungeschütztem
    vaginalem Sex besteht ein hohes Infektionsrisiko. Der „passive“ Partner (derjenige, in den
    eingedrungen wird) ist stärker gefährdet. Oraler Geschlechtsverkehr ist weniger riskant. Gefahr besteht
    in erster Linie dann, wenn die Mundschleimhaut in Kontakt mit virushaltigem Sperma oder Blut (zum
    Beispiel während der Regelblutung) kommt.
    beim Spritzen von Drogen mit einer Nadel, die von einer HIV-infizierten Person benutzt wurde.
    von einer schwangeren Frau auf ihr Kind (s. auch Beitrag auf Seite 4).
    durch Blut und Blutprodukte; das Risiko ist heute in Deutschland aber aufgrund aufwändiger
    Testverfahren minimal. Es liegt zum Beispiel für eine Bluttransfusion bei 1:1,5 Millionen.
    ● Südliches Afrika
    ● Ost- und Südostasien
    ● Lateinamerika und Karibik
    ● Westeuropa und Nordamerika
    ● Osteuropa und Zentralasien
    ● Mittlerer Osten und Nordafrika
    5% (1,9 Mio.)
    4% (1,5 Mio.)
    3% (1 Mio.)
    1% (0,5 Mio.)
    Weltweite Verteilung der HIV-Infektionszahlen
    17% (6,6 Mio) 71% (28,5 Mio)
    Quelle: UNAIDS
    Grafik: BMBF
    Gesundheitsforschung: H I V u n d A I D S
    4
    Schwanger sein und niemand freut sich, statt
    Gratulationen nur Zweifel und Vorwürfe. – Die
    Nachricht, dass eine HIV-infizierte Frau ein Kind
    erwartet, wird auch im besten Fall mit Unbehagen
    aufgenommen. Dahinter steckt die Angst, dass
    auch das Kind HIV-positiv sein wird. Aber die
    Sorge ist in westlichen Industrienationen meistens
    unbegründet. Das Ansteckungsrisiko für das
    Baby lässt sich auf ein bis zwei Prozent senken.
    Voraussetzung: Die werdende Mutter erhält in
    Abhängigkeit vom Infektions- und Schwangerschaftsverlauf
    Medikamente gegen das Virus, und
    auch das Neugeborene wird für einige Wochen
    vorbeugend behandelt. Beide müssen durch spezialisierte
    Ärzte betreut werden. Zusätzlich verringert
    ein Kaiserschnitt das Infektionsrisiko. Er
    erfolgt etwa in der 37. und 38. Schwangerschaftswoche,
    bevor die ersten Wehen beginnen. Ohne
    diese Maßnahmen beträgt das Infektionsrisiko in
    Deutschland immerhin 16 bis 20 Prozent. Weil HIV
    auch beim Stillen übertragen werden kann, dürfen
    „positive“ Mütter ihrem Kind nicht die Brust
    geben.
    „Wenn in Deutschland noch HIV-infizierte Kinder
    zur Welt kommen, liegt es leider meistens daran,
    dass während der Schwangerschaft kein HIV-Test
    erfolgt“, bemängelt die Frauenärztin Dr. Sabine
    Gröger. Sie leitet die gynäkologisch-geburtshilfliche
    HIV-Ambulanz in Hamburg. Jede Schwangere
    hat Anspruch auf einen HIV-Test. Nach Schätzungen
    des Robert Koch-Instituts ist trotzdem nur bei
    etwa 70 Prozent der HIV-positiven Schwangeren
    bekannt, dass sie infiziert sind. Häufige Ursache:
    Manche Frauenärzte machen ihre Patientinnen
    nicht auf den Test aufmerksam. Außerdem ahnen
    viele HIV-positive Schwangere selbst nichts von
    H I V U N D S C H W A N G E R S C H A F T
    Mutter werden – trotzdem!
    HIV-positiv und schwanger. Passt das zusammen? Ja, denn wenn eine kompetente
    medizinische Betreuung gesichert ist, lässt sich das Infektionsrisiko für
    das Kind drastisch senken. Die Idee, eine Familie zu gründen, ist heute auch
    für Paare realistisch, in denen einer der beiden Partner HIV-infiziert ist.
    den Viren in ihrem Blut. Die Kombination aus Versäumnis
    der Ärzte und Unwissen der Schwangeren
    ist fatal: Die HIV-Infektion wird übersehen, und
    das Kind ist dem vollen Infektionsrisiko ausgesetzt.
    Das Kompetenznetz HIV/AIDS entwickelt
    derzeit ein eigenes Forschungsmodul für infizierte
    Kinder. Dabei sollen unter anderem die Babys
    HIV-positiver Mütter über einen Zeitraum von
    18 Monaten nach der Geburt beobachtet werden.
    Das ist eine Voraussetzung, um die Gefahren
    durch das Virus und mögliche Nebenwirkungen
    der Medikamente noch zuverlässiger abschätzen
    zu können.
    Den Traum von der Familie verwirklichen
    Etwa 200 bis 300 Kinder HIV-positiver Mütter
    kommen in Deutschland jedes Jahr zur Welt. Die
    Tendenz ist steigend. Denn immer mehr Frauen
    infizieren sich – inzwischen häufiger beim
    Geschlechtsverkehr als beim Spritzen von Drogen.
    Besonders Frauen, die nicht zu den klassischen
    Risikogruppen gehören, wiegen sich oft in falscher
    Sicherheit. „Etwa die Hälfte der Frauen
    erfährt erst in der Schwangerschaft, dass sie HIVinfiziert
    ist“, berichtet Gröger. „Das ist natürlich
    ein Schock. Eben waren sie noch überglücklich
    und plötzlich müssen sie sich mit dem Tod auseinandersetzen.“
    Die Zahl der Schwangerschaften
    HIV-infizierter Frauen steigt aber auch deshalb,
    weil Betroffene für die Familienplanung neue
    Hoffnung schöpfen. Dank der modernen Therapien
    können sie davon ausgehen, dass sich die
    Ansteckungsgefahr für das Baby gering halten
    lässt und sie selbst in der Lage sein werden,
    Kinder großzuziehen. Deshalb entscheiden sich
    zunehmend auch solche Paare eine Familie zu
    gründen, in denen ein Partner HIV-positiv ist.
    Die Deutsche und die Österreichische AIDS-Gesellschaft
    haben unter Beteiligung des Kompetenznetzes
    HIV/AIDS für diese Paare Empfehlungen
    erarbeitet. Sie machen deutlich, was beachtet
    werden muss, damit der Traum von der eigenen
    Familie möglichst gefahrlos Wirklichkeit wird.
    Ist die Frau infiziert, so gibt es Möglichkeiten, sie
    auch ohne Geschlechtsverkehr zu befruchten.
    Wenn der Mann „positiv“ ist, kann das Sperma so
    aufbereitet werden, dass kein Risiko für die Frau
    Gesundheitsforschung: H I V u n d A I D S
    5
    Der HIV-Test
    Das Prinzip: Nach der Infektion bildet das Immunsystem
    Antikörper gegen die HI-Viren. Der HIV-Test weist
    diese Antikörper nach. Sind Antikörper vorhanden, so
    sagt man, der Test fällt „positiv“ aus. „HIV-negativ“
    bedeutet, dass keine Antikörper vorhanden sind. Es
    gibt auch Verfahren, die die Viren direkt nachweisen,
    genauer gesagt ihre Erbsubstanz. Diese Methoden
    werden aber nicht routinemäßig angewendet.
    Die Aussagekraft: Wird der HIV-Test korrekt durchgeführt,
    so besteht bei positivem Test mit nahezu
    100-prozentiger Sicherheit eine HIV-Infektion.
    Ein HIV-Test ist kein AIDS-Test: Der HIV-Test beantwortet
    nur die Frage, ob Antikörper gegen HIV im Blut
    vorhanden sind. Das bedeutet nicht, dass die Person
    AIDS hat. Von AIDS spricht man erst dann, wenn sich
    die Folgekrankheiten der Immunschwäche einstellen.
    Wann testen? Vom Zeitpunkt der Infektion vergehen
    meistens etwa zwölf Wochen, bis ein HIV-Test Antikörper
    nachweisen kann. So lange sollte man also auf
    jeden Fall mit dem Test warten, wenn man Angst hat,
    sich angesteckt zu haben.
    Wo testen? Der HIV-Test kann bei jedem niedergelassenen
    Arzt durchgeführt werden. Die Krankenkassen
    müssen ihn allerdings nur dann bezahlen, wenn entsprechende
    Symptome für eine Infektion sprechen. In
    den Gesundheitsämtern besteht die Möglichkeit, sich
    kostenlos auf HIV untersuchen zu lassen.
    Die rechtliche Lage: Der HIV-Test erfolgt immer
    anonym. In Krankenhäusern unterliegt das medizinische
    Personal der Schweigepflicht. Jeder, der getestet
    wird, muss damit einverstanden sein, niemand darf
    zum Test gezwungen werden. „Heimliche“ Tests, von
    denen die Person nichts weiß, sind unzulässig. Das
    Ergebnis des Tests darf nicht per Post oder am Telefon
    übermittelt werden, sondern nur persönlich.
    besteht. Gibt es aber auch Fälle, in denen Sabine
    Gröger eine Schwangerschaft bei infizierten
    Frauen kritisch sieht? „Na ja, wenn Sie eine ungeplant
    schwangere, drogenabhängige Patientin
    in sehr instabilen sozialen Verhältnissen und mit
    einer hinsichtlich der HIV-Infektion ungünstigen
    Prognose vor sich haben, die vielleicht noch nicht
    einmal in der Lage ist, Verantwortung für die
    eigene Gesundheit zu übernehmen, fällt es
    zunächst nicht leicht, dieser Schwangerschaft
    positiv gegenüberzustehen. Solche schwierigen
    Konstellationen sind aber zum Glück sehr selten.“
    Grögers Erfahrungen sind ansonsten überwiegend
    positiv. In den meisten Fällen gelingt es, den
    Frauen ihre Unsicherheit und Angst zu nehmen.
    Nach der Beratung entscheiden sich in Hamburg
    fast alle „positiven“ Schwangeren für ihr Kind.
    lieben. Jetzt bin ich überzeugt davon, auch mit
    HIV leben zu können. Ich habe keine Angst mehr.
    Dadurch kann ich auch anderen ihre Angst nehmen.
    Außerdem habe ich gelernt, die Spreu vom
    Weizen zu trennen. Zum einen dabei, wie ich
    lebe. Ich weiß viel besser als früher, was wirklich
    wichtig für mich ist. Aber auch in Bezug auf
    meine Mitmenschen. Ich trenne sehr schnell
    zwischen Leuten, die auch da sind, wenn es mir
    schlecht geht und denen, die mich nur ausnutzen.
    Wie hat die Erkrankung
    ihr Leben verändert?
    Ich lebe jetzt nur noch in Fünfjahresschritten. Das
    ist viel intensiver, als über längere Zeiträume zu
    denken und zu planen. Heute kann ich meine Tage
    viel besser genießen als früher. Ich habe außerdem
    angefangen zu malen und Collagen zum
    Thema AIDS zu entwickeln. Das hilft mir, mit der
    Krankheit fertig zu werden. Außerdem engagiere
    ich mich in der Präventionsarbeit. Meine Bilder
    spielen dabei eine wichtige Rolle. Wenn andere
    sie sehen, merke ich sehr oft, dass bei ihnen
    etwas ankommt, dass ihnen bewusst wird:
    Mensch, AIDS ist ja tatsächlich noch ein großes
    Problem.
    Wo sehen Sie in Bezug auf HIV
    den größten Handlungsbedarf?
    Die Frage zu beantworten fällt mir schwer, denn
    ich habe nie das Gefühl gehabt, gegen Wände zu
    laufen und keine Diskriminierung erlebt. Gravie-
    Gesundheitsforschung: H I V u n d A I D S
    6
    Fühlen Sie sich durch die HIV-Infektion
    beeinträchtigt?
    Im Moment freue ich mich jeden Tag darüber,
    dass ich bald 60 Jahre alt werde. Als ich mein
    Testergebnis gekriegt habe, war ich 42. Ich hatte
    Todesangst und hätte nie gedacht, dass ich noch
    so lange lebe. Wenn ich heute krank werde, ist
    diese Angst sofort wieder da. Beeinträchtigt fühle
    ich mich zurzeit nicht. Gut, ich muss meine
    Tabletten nehmen und habe deshalb öfter mal
    Durchfall. Aber das empfinde ich nicht als Einschränkung.
    Denn die Medikamente sind für mich
    mein Lebenselixier. Aber es ging mir auch schon
    sehr schlecht. Ich hatte AIDS im Vollstadium mit
    vielen Infektionen, Lymphknotenkrebs hatte alle
    Organe befallen. Als ich da am Tropf lag, war ich
    natürlich stark beeinträchtigt. Jetzt habe ich
    gelernt, mich mit dem Virus zu arrangieren. Ich
    glaube, es weiß: Wenn ich verbrenne, verbrennt
    es auch selbst.
    Die Medikamente sind
    mein Lebenselixier.
    Was ist die wichtigste Erfahrung, die Sie als
    HIV-Infizierter gemacht haben?
    Zu lernen, dass ich mich immer noch selbst im
    Spiegel anschauen kann. Ich habe mir gesagt: Du
    kannst es nicht ändern und die Krankheit schließlich
    akzeptiert. Ich musste lernen, das Virus zu
    „Wenn ich verbrenne,
    verbrennt das Virus auch“
    Horst-Johann Peters ist 58 Jahre alt. Er weiß seit 1985, dass er
    HIV-infiziert ist. Peters war bereits schwer an AIDS erkrankt.
    Sein Lebenspartner starb an der Immunschwäche. Durch
    moderne Medikamente ist die Zahl der HI-Viren in seinem Blut
    seit sieben Jahren unter die Nachweisgrenze gesunken. Das
    Immunsystem hat sich erholt.
    P A T I E N T E N I N T E R V I E W
    » »
    Gesundheitsforschung: H I V u n d A I D S
    7
    rende Missstände sehe ich nicht. Ganz wichtig ist,
    dass die medizinischen Anstrengungen nicht
    nachlassen und die sozialen Unterstützungsangebote
    nicht eingeschränkt werden. Wenn es
    darum geht, wer Medikamente bekommt, dürfen
    wir nicht aufs Geld schauen.
    Was wünschen Sie sich in Bezug auf AIDS
    von der Gesellschaft?
    Im Moment ist AIDS fast vergessen. Das ist gefährlich.
    Denn auch in Deutschland sterben immer
    noch Menschen an der Krankheit. Das Interesse
    muss wieder wachgerüttelt werden. Wenn ich
    dran denke, dass es in den Darkrooms zum Teil
    wieder so zugeht, als hätte es AIDS nie gegeben,
    oder wenn ich in Filmen sehe, wie die ohne Kondom
    miteinander schlafen, geht mir das Messer in
    der Tasche auf. Deshalb engagiere ich mich in der
    Prävention, besuche Schulklassen und so weiter.
    Wie verlaufen HIV-Infektion und AIDS?
    Die HIV-Infektion und AIDS verursachen keine „typischen“
    Symptome. Alle Krankheitszeichen können auch
    bei anderen Erkrankungen auftreten. Deshalb ist es nicht
    einfach, die Diagnose „AIDS“ zu stellen.
    Tage bis Wochen nach der Infektion schwellen häufig
    die Lymphknoten an, und es kommt zu Symptomen wie
    bei einer Grippe. Viele Patienten denken, dass sie eine
    harmlose Erkältung haben und gehen nicht zum Arzt.
    Nach ein bis zwei Wochen klingt dieser „Primärinfekt“
    ab.
    Monate- bis jahrelang nach der Infektion haben die
    Infizierten dann keinerlei oder nur dezente Beschwerden.
    Die Viren vermehren sich trotzdem. Manchmal sind
    in dieser Zeit Lymphknoten und Milz geschwollen. Je
    stärker die Viren das Immunsystem schädigen, desto
    häufiger treten im weiteren Verlauf Krankheitszeichen
    auf. Dazu können Nachtschweiß, häufige Durchfälle und
    allgemeine körperliche Schwäche gehören.
    Nach durchschnittlich zehn Jahren ohne Therapie
    entwickelt sich das Vollbild AIDS. Die Patienten leiden an
    Lungenentzündungen, Pilzinfektionen, heftigen Magen-
    Darm-Infekten, einem Befall des Gehirns durch bestimmte
    Parasiten, anderen schweren Infektionen und/oder
    speziellen Krebsformen. Ohne Therapie sterben die meisten
    Patienten schließlich an einer dieser Erkrankungen.
    In Deutschland sind bisher 21.000 Menschen an den Folgen der Infektion gestorben. Die Zahl neuer HIV-Infektionen
    liegt bei etwa 2.000 pro Jahr. Ende 2002 waren hierzulande etwa 39.000 Menschen HIV-positiv, 5.000 an AIDS erkrankt.
    Von den 39.000 HIV-Infizierten in Deutschland sind
    77 Prozent Männer
    23 Prozent Frauen
    <1 Prozent Kinder.
    Neuinfektionen in Deutschland erfolgen
    zu 50 Prozent durch homosexuelle Kontakte bei Männern
    zu 16 Prozent durch heterosexuelle Kontakte
    zu 10 Prozent durch das Spritzen von Drogen.
    24 Prozent der Menschen, bei denen in Deutschland 2002 eine HIV-Infektion neu festgestellt wurde, stammen aus
    Ländern, in denen HIV sehr weit verbreitet ist.
    Wer ist in Deutschland von HIV und AIDS betroffen?
    Ich will das Bewusstsein für AIDS wachhalten.
    Außerdem bin ich ein Mensch, der überzeugt die
    Fahne hochhält für ein monogames Leben, auch
    wenn das im Moment nicht so angesagt ist. Ein
    anderer Punkt sind die Fälle von Diskriminierung,
    die es immer noch gibt. Sie müssen endlich
    unmöglich werden.
    Bild: H.-J. Peters
    Gesundheitsforschung: H I V u n d A I D S
    8
    Forscher und Patienten bekämpfen die Immunschwäche
    AIDS jetzt gemeinsam. Eigentlich
    selbstverständlich – aber erst das Kompetenznetz
    HIV/AIDS gibt der Zusammenarbeit zwischen
    Experten und Betroffenen einen festen Rahmen.
    Die neue Partnerschaft ist dringend nötig. Denn
    Forscher, die intensiv nach neuen Lösungen
    suchen, vergessen bisweilen, dass hinter Zellkulturen
    und Genen menschliche Schicksale stehen.
    Auf der anderen Seite lehnen viele Patienten aus
    Angst und Unwissen sinnvolle wissenschaftliche
    Projekte ab. Beides soll sich jetzt ändern.
    In das Kompetenznetz HIV/AIDS ist die Deutsche
    AIDS-Hilfe, Dachverband zahlreicher lokaler
    Selbsthilfegruppen, fest eingebunden. Die Organisation
    hat Mitspracherecht, wenn es um die
    Planung von Forschungsaktivitäten geht. HIV-Infizierte
    haben sogar die Möglichkeit, den Wissenschaftlern
    mitzuteilen, wo ihrer Ansicht nach
    besonderer Forschungsbedarf besteht. „Viele
    Patienten wollen mehr über die speziellen Krebserkrankungen
    erfahren, die bei ihnen häufig vorkommen“,
    nennt Armin Schafberger, Referent für
    Medizin und Gesundheitspolitik der Deutschen
    AIDS-Hilfe, ein Beispiel. Die Zusammenarbeit
    kommt bei den Betroffenen gut an. Schafberger:
    „Die Rückmeldung aus den Selbsthilfegruppen ist
    überwiegend positiv. Aber man fragt sich dort
    auch, warum Forschung und Selbsthilfe erst jetzt
    so eng kooperieren.“ Mit dem Projekt erfüllt das
    vom Bundesministerium für Bildung und Forschung
    (BMBF) geförderte Kompetenznetz also
    einen alten Wunsch der Patienten.
    Warum an einer Studie teilnehmen?
    Weil die Betroffenen spüren, dass man sie ernst
    nimmt, wächst ihr Interesse, sich an Forschungsprojekten
    zu beteiligen. Das ist ganz entscheidend:
    Ohne die Bereitschaft HIV-Infizierter zur
    N E U E W E G E : D E U T S C H E A I D S – H I L F E H A T
    I M K O M P E T E N Z N E T Z E I N E N F E S T E N P L A T Z
    AIDS-Hilfe als Mittler zwischen
    Patienten und Forschern
    Mitwirkung hätten zum Beispiel die modernen
    Medikamente nicht entwickelt werden können.
    Die AIDS-Hilfe tritt als Mittler zwischen Patienten
    und Forschern auf. Ihre Mitarbeiter informieren
    sich zum Beispiel vor Ort über eine wissenschaftliche
    Studie. Anschließend stellen sie das Projekt
    lokalen Selbsthilfegruppen vor und vermitteln
    Kontakte zwischen Patienten und Wissenschaftlern.
    Manchmal ist es aber schwierig, Betroffene von
    einer Studie zu überzeugen. „Es leuchtet einem
    Patienten nicht unmittelbar ein, warum er an
    einer Studie teilnehmen sollte, in der ein Forscher
    untersucht, wo im Lymphknoten sich die Viren
    Der Weg zu einer zentralen
    HIV-Datenbank
    HIV-infiziert zu sein bedeutet nicht, dass jemand auch
    AIDS-krank ist. Erst wenn die Viren das Immunsystem
    stark geschädigt haben und die typischen Infektionsund
    Tumorerkrankungen auftreten, spricht man von
    AIDS. Dank der modernen Therapie gegen die HIViren
    erkranken in Deutschland viel weniger Menschen
    an AIDS als früher. Deshalb lässt sich anhand
    neuer AIDS-Fälle kaum noch beurteilen, wie viele Menschen
    HIV-infiziert sind. Das Kompetenznetz HIV/AIDS
    beteiligt sich aus diesem Grund an der so genannten
    ClinSurv-Studie, einem Projekt des Robert Koch-Instituts.
    Hier werden anonymisierte Daten von Personen
    registriert, die sich wegen einer HIV-Infektion in
    Behandlung befinden. Große medizinische Zentren,
    die in Deutschland HIV-Patienten betreuen, senden
    ihre aktuellen Daten an das Institut. ClinSurv umfasst
    zurzeit etwa 10.000 Patienten und soll die Basisinformationen
    für eine vom Kompetenznetz geplante zentrale
    HIV-Datenbank liefern. Dieses Projekt wird wichtige
    neue Erkenntnisse bringen – etwa zum Verlauf
    der HIV-Epidemie, zur Gefährdung einzelner Risikogruppen
    oder zu Veränderungen im Krankheitsbild.
    Gesundheitsforschung: H I V u n d A I D S
    9
    vermehren“, so Schafberger. Die Mitarbeiter der
    AIDS-Hilfe leisten hier wichtige zusätzliche Aufklärungsarbeit.
    Als Teil der Kooperation baut das Kompetenznetz
    außerdem eine umfangreiche Datenbank auf. Hier
    werden medizinische Daten von HIV-Infizierten
    sowie Angaben zu Alter, Beruf und Zugehörigkeit
    zu Risikogruppen dokumentiert. Die AIDS-Hilfe ist
    zusätzlich daran beteiligt, ein sicheres Datenschutzkonzept
    auszuarbeiten. Denn ob Arbeitgeber,
    Vermieter oder Versicherungen – es gibt
    genug potenzielle Interessenten für die sensiblen
    Informationen. „Viele Menschen mit HIV werden
    immer noch ausgegrenzt und diskriminiert. Wir
    müssen deshalb ausschließen, dass zum Beispiel
    durch die Kombination der Angaben 42 Jahre,
    katholischer Priester, wohnhaft im Oberschwäbischen
    ein Betroffener auch ohne Namensnennung
    identifiziert und zwangsgeoutet wird“, erklärt
    Schafberger. Die AIDS-Hilfe nimmt den Betroffenen
    die Angst, dass ihre Krankengeschichte in
    falsche Hände gelangt. Gleichzeitig hat die Organisation
    selbst großes Interesse an dem Projekt.
    Denn zu AIDS existieren noch immer viele offene
    Fragen. Warum bleibt die Behandlung zum Beispiel
    bei manchen Patienten erfolglos? Und
    welche Unterschiede gibt es im Krankheitsverlauf
    bei Männern und Frauen? Die Datensammlung
    kann die Antworten liefern.
    Therapieren oder nicht therapieren? Bei Patienten,
    die gleichzeitig mit HIV und dem Hepatitis-CVirus
    infiziert sind, standen Ärzte bisher vor
    einem Dilemma: Die AIDS-Medikamente können
    die Leber angreifen – Hepatitis-Viren schädigen
    das Organ aber ebenfalls.
    Neue Forschungsergebnisse Bonner Wissenschaftler
    sorgen bei dieser Therapieentscheidung jetzt
    für Klarheit. Sobald das Stadium der HIV-Infektion
    es erfordert, sollten nach ihrer Empfehlung auch
    Menschen, die beide Viren im Blut haben, eine
    Kombinationstherapie mit modernen Medikamen-
    T H E R A P I E – V O R T E I L E Z E I C H N E N
    S I C H I M M E R D E U T L I C H E R A B
    Die moderne Therapie gibt HIV-infizierten
    Menschen eine neue Lebensperspektive.
    Zwei Projekte im Kompetenznetz
    HIV/AIDS sorgen dafür,
    dass Ärzte die Medikamente noch
    gezielter einsetzen können.
    Die HIV-Infektion konsequent
    behandeln
    ten gegen HIV erhalten. Denn die Arzneimittel
    sorgen dafür, dass sich das Immunsystem erholt
    und die Hepatitis-Viren viel besser in Schach halten
    kann. Das wiegt die möglichen Nebenwirkungen
    der Medikamente auf – die Lebenserwartung
    der Betroffenen steigt. Für ihr Forschungsprojekt
    arbeiteten die Bonner Forscher um Professor
    Jürgen Rockstroh eng mit dem Kompetenznetz
    Hepatitis zusammen. Dieses Netzwerk wird ebenfalls
    vom Bundesministerium für Bildung und
    Forschung (BMBF) gefördert.
    Eine so genannte Koinfektion mit HIV und Hepatitis
    C-Viren ist relativ häufig, weil beide Viren
    ähnlich übertragen werden. Bis zu 80 Prozent der
    HIV-positiven Drogenabhängigen sind auch mit
    Hepatitis-C-Viren infiziert. Bei Blutern, die sich die
    HIV-Infektion durch verseuchte Bluttransfusionen
    oder andere Blutprodukte zugezogen haben, liegt
    die Rate ähnlich hoch. Die Betroffenen haben eine
    schlechtere Prognose als andere HIV-Patienten
    und sterben häufig an den Folgen der Leber-
    Gesundheitsforschung: H I V u n d A I D S
    10
    schäden, die durch die Hepatitis-Viren verursacht
    werden.
    HIV-Medikamente erlösen Patienten
    von quälenden Durchfällen
    Die Abwehrschwäche besteht bei HIV-Patienten
    jedoch nicht nur gegenüber Krankheitserregern
    im Blut. Auch in der Darmschleimhaut gehen
    Immunzellen in großer Zahl zugrunde. Betroffene
    erkranken deshalb oft an Magen-Darm-Infektionen.
    Schwere Durchfälle sind die Folge. Sie
    belasten die Patienten erheblich.
    Eine Berliner Arbeitsgruppe um Professor Martin
    Zeitz weist jetzt sogar darauf hin, dass der Darm
    wahrscheinlich die Hauptproduktionsstätte für
    HI-Viren im Körper ist. Die Erreger befallen die
    Darmschleimhaut schon sehr früh und vermehren
    sich dort besonders stark. Im Vergleich zum Blut
    werden bis zu 1.000fach höhere HIV-Konzentrationen
    gemessen. Aber Zeitz und seine Kollegen
    konnten auch zeigen, dass die HIV-Medikamente
    gerade hier besonders schnell und effektiv wirken.
    Unter einer modernen Kombinationstherapie
    steigt die Zahl der Immunzellen in der Darmschleimhaut
    zehnmal so schnell an wie im Blut.
    Innerhalb von drei Monaten nach Therapiebeginn
    normalisieren sich die Werte sogar. Dadurch kann
    der Darm Krankheitserreger wieder erfolgreich
    bekämpfen – die quälenden Durchfälle hören auf.
    Virus-Resistenzen nehmen zu
    HI-Viren sind sehr anpassungsfähig. Diese Eigenschaft
    gefährdet die Erfolge der medikamentösen
    Therapie: Die Erreger können nämlich rasch gegen
    HIV-Medikamente resistent werden. In Deutschland
    wurden 2002 bei 18 Prozent der neu infizierten
    Personen resistente Viren nachgewiesen. „Wir haben
    sogar schon Viren beobachtet, bei denen alle gängigen
    Medikamente nicht mehr wirkten“, so
    Dr. Gabriele Poggensee vom Robert Koch-Institut in
    Berlin. „Wenn Ärzte bei Patienten mit frischer
    Infektion eine Behandlung mit HIV-Medikamenten
    planen, sollten sie deshalb vor Therapiebeginn unbedingt
    testen, welche Mittel bei den Betroffenen wirksam
    sind und welche nicht“, erläutert sie. Poggensee
    betreut die so genannte HIV-Serokonverterstudie*.
    Das Projekt bietet die Möglichkeit, Probleme durch
    Resistenzen rasch zu erkennen und den Einfluss der
    Therapie auf das Krankheitsgeschehen zu beurteilen.
    Außerdem lässt sich der langfristige Verlauf der
    Erkrankung gut beobachten. Die Serokonverterstudie
    erfasst Personen, bei denen man sicher weiß, wann
    zum ersten Mal Antikörper gegen HIV im Blut aufgetaucht
    sind. Sie läuft seit 1997 und wird vom Robert
    Koch-Institut gemeinsam mit dem Kompetenznetz
    HIV/AIDS durchgeführt.
    *Als Serokonversion bezeichnet man bei HIV-Infizierten
    den Zeitpunkt, zu dem im Blut erstmalig Antikörper
    gegen die Viren nachgewiesen werden.
    Seit Mitte 2002 kooperieren im Kompetenznetz HIV/AIDS führende deutsche Forschergruppen. Das vom Bundesministerium
    für Bildung und Forschung (BMBF) initiierte Netzwerk soll es ermöglichen, die Therapiechancen, die
    Lebensqualität sowie die Lebenserwartung von HIV-Infizierten weiter zu verbessern. Im Kompetenznetz arbeiten
    auch Organisationen wie die Deutsche AIDS-Hilfe mit, die direkt an der psychosozialen Betreuung HIV-Infizierter
    beteiligt sind. Das Kompetenznetz verfolgt Fragestellungen, die den Ablauf der HIV-Infektion, die Ursachen und
    die Entstehung von AIDS sowie neue Therapieverfahren betreffen. Darüber hinaus werden psychosoziale Krankheitsaspekte
    untersucht. Das BMBF fördert das Kompetenznetz über fünf Jahre mit jährlich 2,5 Millionen Euro.
    Das Kompetenznetz HIV/AIDS
    Gesundheitsforschung: H I V u n d A I D S
    11
    Das HI-Virus benutzt menschliche Zellen, um sich in ihnen zu vermehren. Dieser Vorgang erfolgt in mehreren Schritten:
    Das HI-Virus dringt in die menschliche Zelle ein.
    Die Erbsubstanz des Virus wird in die Form der menschlichen Erbsubstanz überführt und anschließend in die
    Erbsubstanz der Zelle integriert.
    Die Wirtszelle wird dadurch so umprogrammiert, dass sie die Erbsubstanz und die Eiweiße des Virus produziert.
    Neue Viren setzen sich aus Virus-Erbsubstanz und Virus-Eiweißen zusammen und verlassen die Wirtszelle.
    Die menschliche Zelle wird durch diese Abläufe schwer geschädigt und geht schließlich zugrunde.
    HI-Virus
    Eiweiße des Virus
    Erbsubstanz des Virus
    Zellkern
    Erbsubstanz der
    menschlichen Zelle
    Grafik: BMBF
    Die Vermehrung der HI-Viren
    1
    2
    3 4
    1
    2
    3
    4
    menschliche Zelle
    Die HIV-Therapie
    Inzwischen sind gut 20 Präparate gegen Infektionen mit HIV auf dem Markt. Sie lassen sich vier verschiedenen Wirkstoffklassen
    zuordnen und verhindern, dass die Viren sich vermehren. Weil die HI-Viren zu den „Retroviren“ gehören,
    nennt man die medikamentöse Behandlung auch „antiretrovirale Therapie (ART). Die Patienten nehmen meistens mehrere
    verschiedene Medikamente ein. In der Kombination wirken die Mittel wesentlich effektiver, und die Viren werden
    gegen die Wirkstoffe weniger schnell resistent, also unempfindlich. Eine Kombination von drei oder vier verschiedenen
    Medikamenten wird als hochaktive antiretrovirale Therapie (HAART) bezeichnet. Sie ist der aktuelle Therapiestandard.
    Im Rahmen einer HAART sinkt die Viruszahl im Blut in vielen Fällen unter die Grenze, ab der sich die Erreger nachweisen
    lassen. Dann normalisiert sich auch die Funktion des Immunsystems. Das Risiko für die bei AIDS-Patienten typischerweise
    auftretenden Infektions- und Tumorerkrankungen nimmt stark ab und die Lebenserwartung steigt. Allerdings
    kann auch eine HAART die Erreger nicht völlig beseitigen. Werden die Medikamente abgesetzt, so erhöht sich
    die Zahl der Viren im Blut rasch wieder. Eine HAART ist sehr teuer: Die jährlichen Therapiekosten für einen Patienten
    betragen in Deutschland durchschnittlich 20.000 bis 30.000 Euro.
    Von der ART zu unterscheiden sind Medikamente, die die Folgen der Immunschwäche behandeln. Dazu gehören zum
    Beispiel Antibiotika und Mittel gegen Pilzinfektionen.
    Was können die derzeitigen Therapien
    erreichen?
    Die derzeitigen Therapien sind einerseits in der
    Lage, das Immunsystem von HIV-Patienten zu
    stabilisieren. Zum anderen können sie Menschen,
    deren Körperabwehr schon stark geschwächt ist,
    in ein Stadium zurückbringen, in dem das Immunsystem
    wieder „normal“ funktioniert. Dies geht
    einher mit einer zum Teil dramatischen Senkung
    der Viruszahl im Blut.
    Warum beseitigen die bisherigen
    Medikamente die Viren nicht vollständig?
    Dafür gibt es viele Gründe. Auch bei wirkungsvollen
    Therapien verbleiben immer einige Viren,
    die sich trotzdem weiter vermehren. Außerdem
    erreichen die Medikamente einige Organsysteme
    des Körpers nicht so gut, zum Beispiel das Gehirn
    oder den Genitaltrakt. Die Wirkspiegel der Medikamente
    reichen dann nicht aus, um die Viren
    vollständig zu hemmen. Ein sehr großes Problem
    sind auch bestimmte Immunzellen, die sich nicht
    teilen. In ihnen können die Medikamente das
    Virus nicht unwirksam machen. Und schließlich
    sind manche Viren gegen die Wirkstoffe resistent.
    Sind Neuentwicklungen zu erwarten?
    Zurzeit wird eine Vielzahl von Medikamenten
    erprobt. Sie gehören zum Teil zu den bekannten
    Medikamentenklassen, wirken aber effektiver und
    haben ein besseres Resistenzprofil. Wichtiger ist
    Gesundheitsforschung: H I V u n d A I D S
    12
    jedoch, dass sehr viele Medikamente mit ganz
    neuen Wirkmechanismen in der Entwicklung sind.
    Sie verhindern zum Beispiel, dass die Viren in die
    Zelle eintreten oder dass die Erbsubstanz der
    Viren in den Zellkern eingebaut wird.
    Auf welchen neuen Therapieansatz
    setzen Sie die meisten Hoffnungen?
    Die Therapie der HIV-Infektion kann immer nur
    eine Kombinationstherapie sein. Es müssen mehrere
    Medikamente in einem Cocktail verabreicht
    werden, die durch eine Vielzahl von Angriffspunkten
    das Virus schädigen. Ergänzend kommen
    Medikamente in Frage, die weniger das HI-Virus,
    sondern stärker das Immunsystem des Patienten
    beeinflussen.
    Werden die HIV-Infektion und AIDS
    eines Tages heilbar sein?
    Retroviren wie das HI-Virus haben die Eigenschaft,
    in unterschiedliche Zellen und Regionen des Körpers
    einzuwandern. Hieraus folgt eine chronische
    Virusinfektion, die es meines Erachtens in absehbarer
    Zeit unmöglich macht, die Erreger aus dem
    Körper zu eliminieren. Deshalb stellt sich eher die
    Frage, ob wir in der Lage sein werden, die durch
    das HI-Virus ausgelösten Symptome zu heilen.
    Ich bin der Überzeugung, dass dies in zehn bis
    15 Jahren gelingen wird.
    Welche Schwerpunkte setzt das
    Kompetenznetz HIV/AIDS bei der
    Suche nach neuen Therapien?
    Wir beschäftigen uns zum Beispiel damit, neue
    Therapiekonzepte für Patienten zu entwickeln,
    die gleichzeitig mit dem HI-Virus und dem Hepatitis-
    C-Virus infiziert sind. Des Weiteren erforschen
    wir Resistenzen der HI-Viren, um gezielter therapieren
    zu können und zu bestimmen, wie aktiv
    resistente Viren noch sind. Außerdem untersuchen
    wir Nebenwirkungen der HIV-Therapie und ihre
    Behandlungsmöglichkeiten.
    „Eines der erfolgreichsten
    Kapitel der Medizin“
    E X P E R T E N I N T E R V I E W
    Professor Norbert
    H. Brockmeyer ist
    Sprecher des
    Kompetenznetzes
    HIV/AIDS.
    Gesundheitsforschung: H I V u n d A I D S
    13
    Ist die Suche nach Medikamenten gegen
    die HI-Viren eine Erfolgsgeschichte?
    Wir kennen das HI-Virus seit 1983. Vor 18 Jahren
    wussten wir nicht einmal, wie wir die Infektionskrankheiten,
    die bei den Patienten auftreten,
    erfolgreich behandeln sollten. Seit zehn Jahren
    haben wir die antiretrovirale Therapie deutlich
    verbessert, und 1996 begann die Erfolgsgeschichte
    der hochaktiven antiretroviralen Therapie.
    Heute wird eine Vielzahl von neuen Medikamenten
    mit weniger Nebenwirkungen und einem besseren
    Resistenzprofil klinisch erprobt. Ebenfalls
    sind groß angelegte Impfstudien begonnen worden.
    Des Weiteren sind wir in der Lage, Tumorerkrankungen,
    die im Zuge der HIV-Infektion
    auftreten, sehr erfolgreich zu behandeln. Es ist
    sicherlich zu früh, eine abschließende Wertung
    abzugeben: Aber die Therapie der HIV-Infektion
    ist eines der erfolgreichsten Kapitel der Medizin.
    MasterMedia
    Dr. Michael Meyer
    Bodelschwinghstraße 17
    22337 Hamburg
    Tel.: 040/50 71 13-38
    Fax: 040/59 18 45
    E-Mail: dr.meyer@mastermedia.de
    Adressen und Links
    ■ Kompetenznetz HIV/AIDS
    Prof. Dr. N. H. Brockmeyer
    Sprecher des Kompetenznetzes
    Klinik für Dermatologie und Allergologie
    an der Ruhr-Universität Bochum
    Gudrunstraße 56, 44791 Bochum
    Tel.: 02 34/5 09-34 71
    Fax: 02 34/5 09-34 72
    E-Mail: n.brockmeyer@derma.de
    www.kompetenznetz-hiv.de
    ■ Deutsche AIDS-Hilfe
    Dieffenbachstr. 33, 10967 Berlin
    Tel.: 030/69 00 87-0
    Fax: 030/69 00 87-42
    E-Mail: dah@aidshilfe.de
    www.aidshilfe.de
    ■ Deutsche AIDS-Stiftung
    Markt 26, 53111 Bonn
    Tel.: 02 28/60 46 9-0
    Fax: 02 28/60 46 9-99
    E-Mail: info@aids-stiftung.de
    www.aids-stiftung.de
    ■ Bundeszentrale für gesundheitliche
    Aufklärung (BzgA)
    Ostmerheimer Str. 220, 51109 Köln
    Tel.: 02 21/89 92-0
    Fax: 02 21/89 92-3 00
    E-Mail: poststelle@bzga.de
    www.bzga.de, www.aidsberatung.de
    ■ Robert Koch-Institut
    Nordufer 20, 13353 Berlin
    Tel.: 0 18 88/7 54-0
    Fax: 0 18 88/7 54-23 28
    E-Mail: info@rki.de
    www.rki.de
    Bilder und Grafiken können bei der Redaktion
    MasterMedia als Datei bestellt werden.
    Kontakt zu den Projektverantwortlichen
    vermittelt das Kompetenznetz HIV/AIDS
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    Impressum
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    Bundesministerium für Bildung
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    Referat Gesundheitsforschung
    53170 Bonn
    www.bmbf.de
    www.gesundheitsforschung-bmbf.de
    Gestaltung
    MasterMedia, Hamburg
    Druck
    Digital Connection, Hamburg
    Bildnachweis
    Titel: Red Ribbon Deutschland
    S. 6 und 7: H.- J. Peters
    S. 12: Kompetenznetz HIV/AIDS
    Alle anderen Bilder: BMBF
    Redaktion
    Projektträger im DLR

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